Schutz der Meere – eine Einführung

Meeresschutz

Ozeane sind beeindruckend: sie sind unendlich weit und tief, die Tiere der Ozeane, wie Blau- oder Buckelwale, sind gigantisch, die Korallenriffe sprühen vor Leben und Farben, die Tiefsee-Kreaturen sind ein wenig unheimlich und die Verknüpfungen zwischen Gezeiten, Strömungen, Plankton und allen anderen Pflanzen und Tiere des Ozeans sind komplex und einzigartig.

 In den letzten Jahrzenten haben wir den Ozeanen und ihren wundervollen Bewohnern viel Schaden zugefügt: Überfischung, Verschmutzung, Zerstörung von Küstenregionen und die Erwärmung der Wassertemperatur durch den Klimawandel zerstören das größte Ökosystem unseres Planeten.

Alles Leben dieser Erde ist miteinander verbunden. Deswegen ist es extrem wichtig, dass wir den Lebensraum Ozean mit all seinen Kreaturen schützen.

Wenn wir das Meer schützen möchten, müssen wir zunächst verstehen, was die Bedrohungen für unsere Ozeane sind. In diesem Beitrag geben wir Euch einen Überblick über die größten Bedrohungen, welche Auswirkungen diese auf die Menschen haben und was wir tun können, um die Ozeane zu schützen. Jede der hier genannten Bedrohung ist ein großes Thema für sich allein und wir werden in den nächsten Monaten weitere Informationen zu den Themen posten. Dieser Post ist eine erste Einführung in die Thematik.

Erwärmung der Ozeane durch den Klimawandel 

Ozeane spielen eine wichtige Rolle beim Klimawandel. Die Ozeane absorbieren 93% der Wärme, die durch den Treibhauseffekt auf der Erde entsteht. Dadurch wird das Wasser natürlich wärmer. Wenn die Ozeane nicht so viel Hitze aufnähmen, würde sich die Lufttemperatur noch viel schneller erwärmen, als sie es ohnehin schon tut.

 Die steigende Wassertemperatur schadet allerdings vielen Ökosystemen in den Meeren: das bekannteste Phänomen ist die sogenannte Korallenbleiche: die wunderschön bunten Korallen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, verlieren ihren Farbton, werden weiß und sterben. Viele Arten verlieren dadurch ihren Lebensraum.

 Eine weitere Folge der Ozeanerwärmung ist die Meeresspiegelerhöhung, die durch zwei Vorgänge ausgelöst wird: 1) wärmeres Wasser dehnt sich aus und braucht mehr Platz und 2) wärmeres Wasser bringt die Eisdecke und Gletscher zum Schmelzen.

Die Erwärmung der Ozeane hat sehr starke Auswirkungen auf unser Wetter und kann extreme Wetterereignisse hervorrufen: Stürme werden viel intensiver, Küstenregionen werden häufiger überflutet und die Niederschläge werden heftiger und verursachen ebenfalls Überschwemmungen.

Im September 2019 war der Hurrikan „Dorian“ auf den Bahamas der stärkste Sturm an Land, der jemals im atlantischen Ozean beobachtet wurde. Er hatte Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 km/h, brachte 150cm Regen innerhalb von 40 Stunden und richtete einen Schaden von 10 Milliarden US Dollar an.

Versäuerung der Meere

Die Ozeane absorbieren große Mengen des Kohlendioxids (CO2), das von uns Menschen in die Atmosphäre gebracht wird (ca. 25-50%). Die Menge des absorbierten CO2 verändert sich von Jahr zu Jahr, aber im Schnitt ist die Menge in den letzten 20 Jahren angestiegen. Durch diesen Prozess verändert sich die Chemie des Meerwassers: der pH-Wert des Meerwassers sinkt. Das bedeutet, das Wasser wird „saurer“. Ein sinkender pH-Wert hat Auswirkungen auf die Lebewesen im Meer: Schalen-Tiere, wie zum Beispiel Meeresschnecken oder Austern sind in Gefahr, weil ihre Schale in dem sauren Wasser angegriffen wird.

Die Versäuerung bedroht auch Organismen, die Kohlenstoff-Skelette haben, wie zum Beispiel Korallen.

Viele dieser Lebewesen stehen am unteren Ende der Nahrungsketten und sind deshalb wichtig für das Überleben von vielen Fischen und Säugetieren im Meer. Oder sie bilden den Lebensraum für andere Arten. Deswegen bedroht die Versäuerung der Meere einige Arten direkt und viele indirekt.

Überfischung und zerstörerische Fangpraktiken

Überfischung ist ein Problem, das jeder versteht und das es leider schon seit Jahrzehnten gibt: Fische werden nicht nachhaltig gefangen. Das heißt, dass große Fischerboote so viele und so schnell Fische fangen, dass die Fischpopulationen sich nicht erholen können.

Die Food and Agriculture Organization (FAO) hat bereits 2013 geschätzt, dass 31,4% der Fischbestände nicht nachhaltig gefangen werden und damit überfischt sind. 

Leider trägt auch die Erwärmung der Ozeane dazu bei, dass die Fischbestände zurückgehen.

Darüber hinaus werden immer noch zerstörerische Fangpraktiken wie Schleppnetze und Grundschleppnetze eingesetzt. Diese Methoden töten Meerestiere, die gar nicht das eigentliche Fangziel sind, wie zum Beispiel Delphine, Wale, Robben und Schildkröten.

 Und tatsächlich gibt es bedauerlicherweise auch immer noch kommerziellen Walfang, obwohl es ein internationales Verbot gibt.

Die Folgen dieser Aktivitäten sind zerstörte Ökosysteme in den Ozeanen, die nur sehr schwer – oder sogar gar nicht mehr – wiederhergestellt werden können, und viele Arten, die vom Aussterben bedroht sind.

Wissenschaftler schätzen, dass kommerzielle Fischereien durch ihre Fangpraktiken über 650.000 Meeressäugetiere pro Jahr töten oder schwer verletzen

Quelle: NRDC report von 2014

Verschmutzung der Meere

Es gibt zahlreiche Ursachen für die Verschmutzung der Meere: Plastik, nicht gereinigtes Abwasser von Fabriken, Pestizide, Dünger und Nährstoffe, Ölverschmutzung von Schiffen oder Offshorebohrungen, Müllentsorgung und alte Fischernetze. Luftverschmutzung hat auch einen negativen Effekt auf die Sauberkeit der Meere.

 Die Zahlen sind erschreckend: mehr als 8 Millionen Tonnen Plastik erreichen jedes Jahr unsere Ozeane. Der Great Pacific Garbage Patch (der größte Müllstrudel der Welt) ist eine Ansammlung von Plastikmüll zwischen Hawaii und Kalifornien, der über 3 Mal so groß ist wie Frankreich.

Diese Verunreinigungen töten die marinen Tiere und Pflanzen entweder direkt oder, wie im Fall von Mikroplastik zum Beispiel, sie werden von einigen Meeresbewohnern aufgenommen und gelangen so in die Nahrungskette.

Bei dieser Vielfalt an Verschmutzungen der Meere weiß man vielleicht gar nicht, wo man anfangen soll. Aber die Antwort kann ganz einfach sein: jede Plastikflasche, die vermieden wird, ist ein wichtiger Beitrag für die Sauberkeit der Meere!

Weitere Bedrohungen der Meere

Es gibt noch mehr Bedrohungen für die Ozeane, wie zum Beispiel der Meeresspiegelanstieg, der die Küstenregionen stark beeinträchtigt.

Und dann gibt es noch die Ozean-„Desoxygenierung“ – die Abnahme von Sauerstoff im Meerwasser, die durch die Zufuhr von Nährstoffen, die Ablagerung von Stickstoff aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und durch die oben beschriebene Ozeanerwärmung zu Stande kommt. Lebewesen, die Sauerstoff benötigen, können schlechter „atmen“, wenn weniger Sauerstoff im Wasser ist. Es sind schon Auswirkungen auf verschiedene Organismen beobachtet worden, zum Beispiel auf Plankton, Kelp, Mangroven, Korallen und Thunfische.

Leider ist die Liste der Bedrohungen für unsere Meere lang und es gibt noch mehr, wie zum Beispiel die Zerstörung von Lebensräumen oder die Einführung von invasiven Arten.

 Angesichts dieser Fülle von ernsthaften Bedrohungen der Ozeane wird hoffentlich klar, dass wir alle helfen müssen, die Ozeane zu schützen. Für alle, die immer noch nicht überzeugt sind, möchten wir Euch gerne noch die direkten Auswirkungen auf die Menschen aufzeigen.

Wir wirken sich die Veränderungen in den Ozeane auf die Menschen aus?

Zunächst einmal verlieren wir den Reichtum und die Vielfalt an Tieren und Pflanzen in unseren Meeren. Einige uneinsichtige Menschen glauben vielleicht, dass uns dieses Phänomen als Mensch nicht beeinträchtigt.

Aber alle Ökosysteme dieser Erde sind miteinander verknüpft und die Bedrohungen und Veränderungen der Ozeane haben jetzt schon Auswirkungen auf die Menschheit und diese Auswirkungen werden in den nächsten Jahren noch viel stärker werden.

Hier sind ein paar Beispiele für direkte Auswirkungen auf die Menschen:

Große Fischpopulationen sind in Gefahr oder schon stark reduziert. Diese Fische sind die Hauptnahrungs- und Haupteinkommensquelle für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt.

 Die Ozeanerwärmung löst, wie oben bereits erwähnt, extreme Wetterereignisse aus: Tropische Stürme wie Hurrikane werden intensiver und dauern länger an. Somit sterben mehr Menschen oder verlieren ihr Haus und die Infrastruktur in den betroffenen Regionen wird zerstört.

Regengüsse werden viel intensiver und verursachen Überflutungen in vielen Regionen auf der ganzen Welt.

Küstenregionen sind jetzt schon oft überschwemmt, werden aber in Zukunft noch häufiger Überschwemmungen aushalten müssen, wenn die Küstenvegetation, wie zum Beispiel Mangroven, unter der Ozeanerwärmung zu stark leidet und zurückgeht.

Der Meeresspiegelanstieg ist eine weitere Folge der Ozeanerwärmung, die durch die Wärmeausdehnung des Wassers und das Abschmelzen von Eisdecken und Gletschern hervorgerufen wird. Die Auswirkungen auf die Menschheit sind verheerend. Wir werden hier nur ein paar Beispiele nennen: Bodenverunreinigung durch Salz, Erosion und Überflutung von tiefliegenden Küstengebieten. Die Menschen müssen entweder umsiedeln oder sehr viel Geld in Schutzmaßnahmen investieren.

Und zu guter Letzt: aufgrund der Ozeanerwärmung kann das Wasser weniger CO2 aufnehmen. Dadurch verbleibt mehr CO2 in der Atmosphäre und der Treibhauseffekt mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Menschheit wird beschleunigt.

Was muss getan werden?

  • Es müssen mehr Meeresschutzgebiete errichtet werden
  • Zerstörte Ökosysteme im Meer und an der Küste müssen wiederaufgebaut werden, so gut es geht
  • Zerstörerische Fangpraktiken, wie Schleppnetze oder Grundschleppnetze, müssen verboten werden
  • Der kommerzielle Walfang muss gestoppt werden
  • Regierungen müssen die Überfischung mit Fangbeschränkungen bekämpfen
  • Fischer müssen in der Lage sein, nachhaltige Fangmethoden einzusetzen und trotzdem ihren Lebensunterhalt zu verdienen
  • Die Emission von Treibhausgasen muss dramatisch reduziert werden, um die Erwärmung, die Übersäuerung und die Desoxygenierung der Ozeane aufzuhalten (oder zumindest zu verlangsamen)

Was könnt Ihr machen? – Grüne Taten für den Meeresschutz

Jede(r) von uns kann dazu beitragen, die Ozeane zu schützen. Bitte schaut Euch die Liste der Maßnahmen genau an und überlegt, welche grüne Taten Ihr umsetzen werdet.

  • Fragt in Restaurants nach, wo der Fisch herkommt und wie er gefangen wurde
  • Wenn Ihr Fische oder Meeresfrüchte kauft, achtet auf Label, wie das vom Marine Stewardship Council (MSC). Das Label ist allerdings immer wieder in der Kritik, weil es zu schwache Richtlinien hat, also verlasst Euch nicht nur da drauf
  • Vermeidet Plastik und anderen Müll
  • Nehmt an einem Clean-up event teil oder organisiert selbst eins
  • Unterschreibt eine Online Petition für den Schutz der Meere
  • Macht Politikern deutlich, dass Ihr Gesetze fordert, die die Meere schützen

Quellen und Artikel zum Weiterlesen

Eins der wissenschaftlichen Paper, die die Ozeanerwärmung beschreiben: S. Levitus et al., 2012; “World ocean heat content and thermosteric sea level change (0–2000 m), 1955– 2010“, GEOPHYSICAL RESEARCH LETTERS, VOL. 39, L10603

 

Ein sehr detaillierter Bericht über Ozeanerwärmung und ihre Folgen von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) in 2016: „Explaining Ocean Warming:  Causes, scale, effects and consequences”. https://portals.iucn.org/library/node/46254

 Eine Karte von dem CO2, das jedes Jahr von den Ozeanen absorbiert wird: https://www.climate.gov/news-features/featured-images/2017-state-climate-ocean-uptake-human-produced-carbon

Ein Paper, das die steigende CO2 Aufnahme der Ozeane im Jahr 2017 im Vergleich zu den Jahren davon zeigt: https://www.nature.com/articles/542169a

Der Bericht der FAO über Fischerei und der Situation der Aquakulturen (2016): http://www.fao.org/3/a-i5555e.pdf 

Der NRDC Bericht über die Tötung von Meeressäugern durch Fischereien:

https://www.nrdc.org/sites/default/files/mammals-foreign-fisheries-report.pdf

Die häufig zitierte Veröffentlichung, die abschätzt, wieviel Plastik jedes Jahr im Ozean endet: https://science.sciencemag.org/content/347/6223/768